Landschaft

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Von der Gartengestaltung zur Landschaftsarchitektur

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Kunst und Landschaft: Aufbruch einer neuen Disziplin/

Der «Garten des Poeten» an der Schweizer Gartenausstellung G59 sorgte für heisse Köpfe und ratlose Gesichter. Ernst Cramer hatte ein Werk zwischen Natur und Kunst geschaffen, das die gängigen Vorstellungen von Gartengestaltung aushebelte. Nach der Ausstellung wurde «Garten des Poeten» sofort abgetragen, die Landschaftsarchitektur sollte er jedoch nachhaltig prägen.

Archiv für Schweizer Landschaftsarchitektur ASLA, Rapperswil/SG

In den 20 Jahren nach der G59 hatte sich die Landschaftsarchitektur in der Schweiz zu einer eigenständigen Disziplin entwickelt. Die Gestalter hatten sich vom Image des «Gartenbauers» emanzipiert. Mit präzise gesetztem Beton, überraschenden Bepflanzungen, markanten Terrassierungen und einer starken Modellierung des Terrains wurden Fragen nach der Künstlichkeit der Natur aufgeworfen. In den Jahren nach der Ölkrise entwickelte sich eine Gegenströmung: Die Naturgarten-Bewegung forderte mehr Ökologie, mehr einheimische Pflanzen und Lebensräume für Tiere. Es war die Zeit, als Biotope vor den Einfamilienhäusern in Mode kamen.

> Zum 50-Jahresjubiläum der G59

> Zur Rolle der schweizerischen Gartenbauausstellungen / The swiss touch in landscape architecture, pro helvetia

 

Wahrnehmung der gebauten und natürlichen Umgebung: Architektur und Landschaft
Die Architektur-Szene der Welt blickte in den 1960er Jahren ins Tessin. Eine junge Generation setzte sich unter dem Schlagwort «Tendenza» mit der Frage auseinander, wie Architektur Akzente in der Landschaft bauen könnte. Das «Bagno pubblico» in Bellinzona wurde so nicht nur als Schwimmbad, sondern ebenso als Landmarke und Verbindungsachse gedacht.

Die Geschwindigkeit des Autos veränderte die Wahrnehmung der Umgebung. Kevin Lynch untersuchte 1960 in «The Image of the City» die Entstehung von gedanklichen Landkarten. Die Orientierung richte sich, so Lynch, nach Wegmarken und homogenen Gebieten. Entlang der Autobahnen entstanden markante Raststätten und Brücken, an denen sich Distanzen messen liessen. Hochhäuser wurden zu neuen Kirchtürmen. Das subtile Weiterbauen, wie es Heinrich Graf in St. Gallen vorführte, ergänzte mit modernen Formen die Altstadt, ohne ihren Charakter zu verändern.

 

Das Nationalstrassennetz und die Industrielandschaft
1960 tritt das Nationalstrassengesetz in Kraft. Es wird massiv in Strassen investiert. Bis 1975 sind 952 km Nationalstrassen gebaut, davon 662 km Autobahnen.* Industrie und Logistik siedeln sich an diesen neuen Verkehrsachsen an und geben der Landschaft mit riesigen Hallen ein neues Gepräge. Ringsum entstehen Einfamilienhausquartiere. Das Leben mit dem Auto wird zum Standard und zersiedelt die Schweiz. In den Köpfen setzt sich langsam die Erkenntnis durch, das Wachstum und Raumplanung koordinieren werden müssen.

Die rasante Entwicklung lässt mehr und mehr kritische Stimmen aufkommen. Der Schweizer Heimatschutz engagiert sich und fordert einen griffigen Schutz von Landschaften und Ortsbildern. 1967 tritt schliesslich das Natur- und Heimatschutzgesetz in Kraft. Der Bundesrat erlässt 1972 in aller Eile Massnahmen, um sensible Gebiete zu schützen. Es sollte jedoch bis 1980 dauern, ehe gesetzliche Grundlagen für eine nationale Raumplanung in Kraft treten.

* Bundesamt für Statistik

 

Agrarforschung und Industrialisierung der Landwirtschaft: Der neue Bauernhof

Die Industrialisierung der Landwirtschaft griff in den Jahren der Hochkonjunktur um sich. Immer weniger Bauern sollten immer mehr produzieren. Die grüne Revolution brachte Hochleistungssorten. Silofutter, Pestizide und Kunstdünger traten ihren Siegeszug an. Es ging nicht nur um Effizienz, sondern ebenso um die Versorgungssicherheit im Kalten Krieg.

Meliorationen – die Zusammenlegung von Gütern und Grundstücken – schufen die Grundlagen für eine modernisierte Bewirtschaftung. Interessanterweise war es gerade der Bau des landfressenden Autobahnnetzes, der diese koordinierten Planungen förderte.


Aus: Heimatschutz, 1/1962

Die traditionellen Bauernhäuser hatten nach Jahrhunderten plötzlich ausgedient: Sie waren nicht auf grosse Maschinenparks und die Lagerung von riesigen Produktionsmengen ausgelegt. Die Bauernfamilien wanderten aus den Ortschaften aus und liessen sich näher bei ihren Feldern auf der grünen Wiese nieder.

Die «Schweizerische Vereinigung für Innenkolonisation und industrielle Landwirtschaft», heute «Schweizerische Vereinigung für Industrie und Landwirtschaft (SVIL)», entwickelte typisierte Höfe für moderne Ansprüche. Der SVIL wurde im Jahr 1963 mit 47 und 1964 mit 58 Höfen des Siedlungstyps «Aargau» beauftragt. Zudem wurde die landwirtschaftliche Forschung intensiviert.

Wie stellte sich der Heimatschutz zur Typisierung und den neuen Bauernhöfen?
Lesen Sie dazu mehr im
> Editorial der Zeitschrift Heimatschutz 1962 
> Artikel «Der neue Bauernhof» von Rudolf Schoch

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