Expo64

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Die Landesausstellung als Porträt der Nation

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«an exemplary work of art, excitingly varied and yet harmonious.»
Time Magazine, 1983/

Standortbestimmung der Schweiz im Wirtschaftswunder/
«Eine weltoffene Schweiz im Herzen Europas» sollte 1964 am Ufer des Genfersees in Lausanne gezeigt werden. Der tessiner Chefarchitekt Alberto Camenzind entwarf mit interdisziplinären Arbeitsteams aus allen Landesteilen eine Ausstellung, die alle Sinne ansprechen, die Besucher begeistern und zugleich informieren wollte. Hatten die frühen Landesausstellungen seit 1883 noch stark den Charakter von Industrie- und Gewerbeausstellungen, so stand 1939 am Vorabend des 2. Weltkrieges die Bildung eines verbindenden nationalen Identitätsgefühls im Fokus. 1964 sollte dann eine präzise Standortbestimmung der modernen Nachkriegsschweiz vorgenommen werden.

Die Kritik: eine vergebene Chance
In der berüchtigten Broschüre «achtung: die schweiz. ein gespräch über unsere lage und ein vorschlag zur tat» hatten 1955 Lucius Burckhardt, Max Frisch und Markus Kutter dazu aufgerufen, statt einer herkömmlichen Nationalausstellung eine experimentelle Stadt im Mittelland zu bauen. Neue Lösungen für drängende Probleme in der Stadtplanung und im Wohnungsbau könnten so getestet werden. Es setzte sich jedoch die traditionellere Auffassung der Landesausstellung durch, die das «image» der Nation reflektieren, neu positionieren und gegen innen und aussen festigen sollte.


Aus: Librairie Marguerat S.A.: construire une exposition / eine ausstellung bauen / building an exhibition, Lausanne 1965

Was blieb: Spuren der Expo64
Obwohl sämtliche Sektorbauten als temporäre  Strukturen konzipiert waren, sind Brüchstücke der Originalbauten heute noch zu besichtigen. Viele der vorproduzierten Bauteile wurden wiederverwendet, Erkenntnisse aus Materialexperimenten fanden Eintritt in die Bauproduktion. Jean Tinguély's «Heureka» steht heute am Zürichhorn. Die Umfahrungsstrassen, die Satellitenstadt Bourdonnette sowie die beiden Häfen sind ebenfalls unmittelbare dauerhafte Folgen des lokalen Katalysators Expo.

> Zur Web-Doc von 24heures
> Zur Expo in den Archives de la Ville de Lausanne

> Zu Rolf Liebermanns Komposition für 156 Maschinen im Beitrag von SRF
> Zum Artikel «Die schwierige Genese der Expo 64» in der NZZ, 30.4.2014
> 50 Jahre später: zu den Jubiläumsfeierlichkeiten

 

 

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Die Landesausstellung als Porträt der Nation