Bildung

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Sputnikschock und Bildungsoffensive

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Wissenschaftliches Wettrüsten beidseits der Mauer/

Am 4. Oktober 1957 schickte die UdSSR ihren Satelliten Sputnik I erfolgreich in die Erdumlaufbahn und hatte den Wettlauf um die Eroberung des Weltalls vorläufig gewonnen. Nicht nur die symbolhafte Niederlage schmerzte: Wer Satelliten ins Weltall schicken kann, ist auch ein militärisch gefährlicher Gegner. Die Angst vor der Bedrohung eines Atomkriegs war enorm. Der Westen stand unter Schock und reagierte mit einer massiven Bildungsoffensive: Alte gesellschaftliche Schranken wurden abgebaut und der Zugang zu den Gymnasien und den Universitäten erleichtert.

Plakatausschnitt aus «Jugend forscht, 1975». Stiftung Jugend forscht e. V.

Bildungstempel
Um den geeigneten Rahmen für eine optimale Lern- und Forschungsumgebung zu bieten, wurden zahlreiche Architekturwettbewerbe veranstaltet. Gewonnen haben nicht selten Entwürfe, die dem Wunsch nach einer modernen, weltoffenen und technisch-naturwissenschaftlichen Bildung ein architektonisches Gesicht gaben.

Um der ländlichen Bevölkerung Bildungschancen zu eröffnen, entstanden vielerorts Studentenheime, Internate und religiöse Bildungszentren.

 

Kinder sind die Zukunft
Überhaupt boten Schulhäuser ein reichhaltiges Betätigungsfeld für Architekten in Stadt und Land: Niemals zuvor wurden in absoluten Zahlen mehr Kinder geboren als in den Jahren kurz vor dem Pillenknick um 1965. Neue pädagogische Konzepte verlangten nach neuen Räumen. Auchs sollten Kinder während des Unterrichts möglichst viel Licht und Luft erhalten. Prägend war noch immer Alfred Roths erstmals 1950 erschienene, international beachtete Publikation «Das Neue Schulhaus / The New School / La Nouvelle Ecole». 

 

Normierung macht Schule

Auch im Schulhausbau reagierten Planer und Politiker auf die einmalig hohen Geburtenraten mit rationellen Baumethoden. Nach Massgabe des CROCS (Centre de rationalisation et d'organisation des constructions scolaires) entstanden in der Romandie rund 20 Schulhäuser. Der Kanton Aargau liess wiederum ein eigenes Bausystem entwerfen, das auf der Rückseite der Kantonsschule Baden besichtigt werden kann.

Noch rascher Abhilfe schufen angelieferte Pavillonbauten, die in der ganzen Schweiz zu Hunderten als Provisorien neben Schulhäuser gestellt wurden. Formschöne Exemplare im Variel-System von Fritz Stucky sind heute noch vielerorts zu finden.

> Zu CROCS

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Sputnikschock und Bildungsoffensive